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Charakterisierung und Geschichte
Kurze Charakterisierung
Das Goethe-Wörterbuch (GWb) ist ein individualsprachliches Bedeutungswörterbuch, das den gesamten Wortschatz Goethes, ca. 90.000 Stichwörter, in alphabetischer Anordnung und systematisch nach Gebrauchsweisen gegliederten Wortartikeln wiedergibt. Dabei werden Gemeinsprachlichkeit, vielfältige Fachsprachlichkeit und das Besondere der Goetheschen Dichtersprache gleichermaßen berücksichtigt. So ist das Goethe-Wörterbuch nicht nur ein Instrument der Goethe-Philologie, sondern auch eine Informationsquelle für Wissenschafts- und Kulturgeschichte, Begriffs- und Ideengeschichte. Der Sprachwissenschaft bietet es, neben repräsentativen wortgeschichtlichen Befunden zur Formationsepoche unserer Gegenwartssprache, ein solides Fundament für jede umfassende Darstellung des Deutschen in seiner kultursprachlichen Dimension.
Geschichte des Unternehmens
"Im Anfang war das Wort" - in unserem Fall: die Schrift. Eine Denkschrift stand am Beginn des Goethe-Wörterbuchs, verfaßt von Wolfgang Schadewaldt, Altphilologe an der Humboldt-Universität zu Berlin. Vorgelegt wurde sie der gerade erst in 'Deutsche Akademie der Wissenschaften' umgetauften alten 'Preussischen Akademie' am 12. Dezember 1946. Was brachte den Altphilologen und Goethe-Kenner Schadewaldt dazu, ein Wörterbuch zur Sprache Goethes zu postulieren? Die an Goethe ebenso wie an den klassischen Autoren gewonnene Einsicht, daß deren Wörter sich nicht immer von selbst verstehen. Das große Jahrhundert der Philologie, das neunzehnte, hatte bereits Wörterbücher zu Homer, Platon, Cäsar und Ovid hervorgebracht, aber ebenso zu Dante und Shakespeare, Luther und Kant, zu Molière, Corneille, Racine. Auch das Deutsche Rechtswörterbuch übrigens, ebenso wie der Thesaurus Linguae Latinae und etliche andere der noch immer unvollendeten Sprachstadien- und Dialektwörterbücher, sind Kinder des 19. Jahrhunderts, also etwa doppelt so alt wie das GWb, ohne deshalb notwendigerweise früher fertig zu sein. (Derartige Langzeitprojekte haben ihren natürlichen Ort im Schoße der Wissenschaftsakademien; daher trifft es Schadewaldt genau, wenn er die sieben deutschen Akademien als 'Dombauhütten' der Wissenschaft bezeichnet!) Um die Mitte des 20. Jahrhunderts dann machten sich die Nationalakademien im kommunistischen Herrschaftsbereich an die Erarbeitung von Autorenwörterbüchern zu Puschkin, Gorki, Mickiewicz, Petöfi und anderen verehrten Schriftstellern, und vor diesem Hintergrund klang Schadewaldts Aufruf plausibel auch in den Ohren der gebildeten sowjetischen Besatzungsoffiziere, die in der Berliner Akademie das Sagen hatten. Die Arbeitsstelle Berlin wurde zu Jahresbeginn 1947 gegründet (mit einer von Theodor Frings betreuten 'Außenstelle' in Leipzig), Hamburg - durch Hans Pyritz - noch im gleichen Jahr und Tübingen 1951, in Folge von Schadewaldts Wechsel in den Westen.
Auf die Gründungsphase des GWb folgte die zwei Dezennien dauernde Phase der Verzettelung von schon damals rund 160 Bänden Goethe, begleitet von einzelnen Probe- und Modellartikeln, denn auch die angemessene lexikographische Form mußte zunächst noch gefunden werden. Die erste Lieferung schließlich erschien gedruckt 1966, zwanzig Jahre nach Gründung des Unternehmens. Die Schirmherrschaft und - mit Goethes Ausdruck - verwaltungstechnische Oberaufsicht über die Arbeitsstellen hatten inzwischen die Berlin-Brandenburgische, die Göttinger und die Heidelberger Akademie der Wissenschaften übernommen, die in einer gemeinsamen interakademischen Kommission heute auch die wissenschaftliche Leitung innehaben und als Herausgeber des Werks fungieren. Das Geld kommt vom Bund und den durch ihre Akademien beteiligten 'Sitzländern', deren Vorgaben zufolge die Geschichte des Goethe-Wörterbuchs im Jahre 2025, auf dem "Zypressenzweig", enden wird.
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