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Wörterbuch der deutschen Winzersprache
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Beschreibung


1. Gegenstand

Das Wörterbuch der deutschen Winzersprache / WDW ist ein international ausgerichtetes Fachsprachenwörterbuch, das am Beispiel der deutschen Fachsprache der Winzer die ältere dialektal geprägte Terminologie vor der Technisierung in West-, Mittel-, Südost- und Osteuropa dokumentiert.

2. Tradition

Wörterbücher und Fachenzyklopädien, die staatenübergreifend den fast ausschließlich auf mündlicher Kommunikation beruhenden Wortschatz einzelner Berufsgruppen behandeln, sind ein Desiderat der Forschung. Auch in den dialektalen Großraum-Wörterbüchern werden die Fachsprachen nicht systematisch erfasst. Zwar existieren lokal begrenzte Monographien zur Winzersprache (darunter auch unveröffentlichte, an den Universitäten Mainz und Freiburg im Breisgau entstandene Examensarbeiten), aber die umfassende lexikologische Betrachtung der deutschen Winzersprache, die auch die zahlreichen Weinbaugebiete in den deutschen Sprachinseln berücksichtigt, steht bislang noch aus. Unter wortgeographischem Aspekt ist die deutsche Winzersprache grundlegend in dem Wortatlas der kontinentalgermanischen Winzerterminologie (WKW), hg. von Wolfgang Kleiber (Tübingen 1990-1996) behandelt. Für die Darstellung der Fachsprache ist die deutsche Winzersprache besonders geeignet, da sie eine lange Kontinuität von der Römerzeit bis heute besitzt und auch weiterhin nicht an Aktualität verliert.

3. Wörterbuchtypus

Das WDW ist ein dialektales Fachsprachenwörterbuch zur vorindustriellen deutschen Winzersprache. "Vorindustriell" meint hier die Phase vor der Technisierung und Mechanisierung im Weinbau, die in den letzten Jahren stark vorangeschritten ist und durch die viele Arbeitsvorgänge und Geräte und damit ein Großteil der älteren Fachbegriffe überflüssig geworden sind. Dem WDW wird eine relativ weite Definition von Fachsprache zugrunde gelegt: Die Winzersprache, die in ihrer älteren Existenzform an regional- bzw. ortssprachliche Varietäten gebunden ist, bezieht sich auf die Kommunikation im Tätigkeitsbereich einer bestimmten Berufsgruppe. Ziel des WDW ist es, dieses zum Teil schon historisch gewordene Wortgut systematisch aufzuarbeiten und besonders die Fachbegriffe aus den in Südost- und Osteuropa untergegangenen Sprachinseln zu konservieren. Der gesamte Winzerwortschatz wird hierbei onomasiologisch in acht größere Sachbereiche untergliedert: Rebe, ihre Teile und Rebsorten; Traube; Weinberg; Weinbergsarbeit; Traubenlese, Presse und Mostbereitung; Weinbereitung und Wein; Weingenuss; Winzerbrauchtum. Die Ausarbeitung der Wortartikel, deren Stichwortansatz (Lemma) sich nach Möglichkeit an der neuhochdeutschen Schriftsprache orientiert, erfolgt nach diesen Sachbereichen. Im Hinblick auf die Benutzerfreundlichkeit werden jedoch anschließend die ausgearbeiteten Wortartikel in eine streng alphabetische Ordnung gebracht. Die Wortartikel enthalten neben den Bedeutungsangaben, die im Mittelpunkt der Betrachtung stehen, die durch Abhören der Tonträger gewonnenen phonetischen Formen, grammatische Angaben (Genus, Numerus, Wortart und Morphologie), etymologische Deutungen und für außergewöhnliche und entlehnte Formen auch historische Belege. Durch sog. Zentralartikel, die sich der Sachkunde widmen, auf Synonyme und regionale Varianten verweisen und die Beziehung zum WKW herstellen, und durch eine beigegebene Gesamtsemantikliste, die einen Überblick über die Mikrostruktur der einzelnen Sachbereiche gibt und zu einer gegebenen Semantik die zugehörigen Lemmata auflistet, wird ein semantisches Netz erzeugt, das die isolierten Wortartikel miteinander verbindet. Zusätzlich führen Verweisartikel von den dialektalen Varianten zu den Wortartikeln hin. Wegen dieser zahlreichen Vernetzungsfunktionen bietet sich die CD-ROM als Publikationsmedium an. Daher erscheint das WDW nicht in einzelnen gedruckten Lieferungen, sondern in einem gestuften Publikationsverfahren als CD-ROM-Vorabversion mit Update (auf Subskriptionsbasis). Erst für das Ende der Laufzeit ist ein zwei- bis dreibändiges Printmedium mit begleitender CD-ROM-Edition geplant.

4. Chronologischer Rahmen

Das WDW wertet in intensiverer Form das umfangreiche multimediale Material (Tonband- und Kassettenaufnahmen, Questionnaires, Fotos) aus, das im Wesentlichen in den Jahren 1981-1986 für den im Jahre 1996 abgeschlossenen Wortatlas der kontinentalgermanischen Winzerterminologie (WKW), der jedoch nur ca. ein Drittel des Gesamtmaterials berücksichtigen konnte, zusammengetragen wurde. Aufgrund der befragten Personen, die überwiegend der ältesten Generation angehörten (60- bis 90jährige Winzer bzw. im Weinbau tätige Personen), wird der Zeitraum von der Jahrhundertwende bis in die 1980er Jahre erfasst. Alte Arbeitsgeräte und -methoden waren den Gewährsleuten teilweise noch von den Erzählungen ihrer Großeltern her bekannt. Der Schwerpunkt liegt auf der vorindustriellen und noch nicht durch Weinbauschulen überformten Fachsprache.

5. Erfasste Materialien und Quellen

Für die Erarbeitung des WDW bilden Primärquellen, d. h. die vorwiegend in direkter Methode, vielerorts letztmalig erhobenen Tonaufnahmen, die Basis. Die Antworten wurden auf der Grundlage eines 398 Fragen umfassenden Fragebogens zu allen Bereichen des Weinbaus - chronologisch anhand der Arbeiten des Winzers im Jahresablauf erfragt, akustisch aufgezeichnet und in phonetischer Umschrift unter Verwendung unterschiedlicher Transkriptionssysteme in den Fragebogen notiert. Das Korpus ist als abgeschlossen zu betrachten, denn Ergänzungs- und Neuaufnahmen sind im Rahmen des WDW-Projekts grundsätzlich nicht vorgesehen. Von den über 500 vorliegenden Tonbändern und Kassetten aus 409 Orten (dies entspricht 447 Aufnahmen) werden für die Bearbeitung des WDW aus zeitlichen Gründen rund 300 Aufnahmen ausgewählt und am Computer abgehört. Intendiert ist besonders die Herauslösung des noch auf den Tonträgern verborgenen sog. Spontanmaterials, das im WKW nicht berücksichtigt wurde. Um die Wortartikel von umständlichen Sachbeschreibungen zu entlasten, wird die im Zuge der WKW-Feldforschung zusammengetragene Fotosammlung (ca. 6.800 Fotos und Dias) herangezogen. Die vorliegende Literatur zur Winzersprache wird systematisch ausgewertet. Außerdem schließt sich ein Vergleich mit den großräumigen Dialektwörterbüchern und Mundartgrammatiken aus dem Untersuchungsgebiet und aus angrenzenden Gebieten an. Eine Einbeziehung von historischen Belegen ist zur Illustration von Bedeutungsübertragungen und Entlehnungsvorgängen in Einzelfällen vorgesehen. Die Winzersprache besitzt als Teil der gesamteuropäischen Sachkultur und aufgrund der früher auf Autarkie zielenden Betriebsstruktur enge Bezüge zum Acker- und Gartenbau sowie zu den Berufszweigen, die sich mit der Holzbearbeitung, der Steinhauerei, dem Körbeflechten, der Fassherstellung und dem Fasstransport beschäftigen.

6. Lokalisierung

Während die heutige Winzersprache aufgrund der Weinbauschulen eine Tendenz zum Ausgleich und zur Normierung besitzt, ist die ältere Fachsprache durch eine starke regionale Differenziertheit gekennzeichnet. In Südtirol beispielsweise sind die Begriffe Pergola, Pataun bzw. Punt für die dort übliche laubenartige Reberziehungsanlage auf relativ eng begrenzte Gebiete beschränkt. Das WDW behandelt die ältere Fachterminologie in den deutschen bzw. ehemals deutschen Weinbaugebieten in über zwanzig Staaten (Aserbaidschan, Bosnien-Herzegowina, Deutschland, Frankreich, Georgien, Italien, Jugoslawien, Kroatien, Liechtenstein, Luxemburg, Moldawien, Österreich, Polen, Rumänien, Russland, Schweiz, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ukraine, Ungarn); die deutschen Sprachinseln nehmen hierbei einen bedeutenden Raum ein. In den Wortartikeln wird generell eine regionale Zuordnung der phonetischen Belege vorgenommen. Die Lokalisierungssiglen richten sich hierbei an den rezenten bzw. historischen Weinbaugebieten aus. Da im Untersuchungsgebiet ein Großteil der deutschen Dialekte vertreten ist und die präsentierten Belege durch Abhören der in direkter Methode erhobenen Quellen gewonnen werden, bildet das WDW besonders in semantischer Hinsicht eine sichere Grundlage für Dialektologie und Lehnwortforschung. Jedoch sind die phonetischen Formen gelegentlich von der Standard- und Umgangssprache beeinflusst, da die Mehrheit der Aufnahmen von Explorator(inn)en durchgeführt wurden, die nicht der untersuchten Region entstammten und die daher auch die Fragen auf Hochdeutsch stellten. Folgende deutsche Dialekte sind vertreten: Ripuarisch, Moselfränkisch, Zentralhessisch, Rheinfränkisch, Thüringisch, Obersächsisch, Schlesisch, Niederalemannisch, Hoch- und Höchstalemannisch, Mittelalemannisch, Schwäbisch, Ostfränkisch, Nordbairisch, Mittelbairisch, Südbairisch und Niederdeutsch. Abgesehen von einer Grundkarte, die einen Überblick über die explorierten Orte gibt und die den politischen Veränderungen der letzten Jahre Rechnung trägt, wird auf die Aufnahme von neuen, über den WKW hinausgehenden Karten verzichtet.

7. Sprachgeschichtliche Einordnung

Das WDW versteht sich einerseits als Komplementärwerk zum WKW, dessen Material es in intensiverer Form auswertet, andererseits aber auch als eigenständiges Werk, das sich die Darstellung des dialektal geprägten Wortschatzes der älteren deutschen Winzersprache im Hinblick auf seine Verbreitung in Europa zum Ziel setzt. Aufgrund des weiten Untersuchungsgebietes und als Teil einer gesamteuropäischen Sachkultur ergänzt das WDW die groß- und kleinräumigen Dialektwörterbücher des deutschen Sprachraums und die vereinzelt vorliegenden Arbeiten zu anderen Fachsprachen, z. B. zur Küfersprache. Die Winzersprache ist zudem ein wichtiges Element innerhalb der Interferenzlinguistik und Kontinuitätsforschung, denn die Kultur der Rebe breitete sich von Süd- und Westeuropa ausgehend, zum Teil durch Siedlungsbewegungen (deutsche Kolonisation in Ost- und Südosteuropa), in klimatisch günstige Regionen aus. Starke romanische Einflüsse sind vor allem an der Mosel, im Wallis sowie in Südtirol festzustellen. Außerdem enthält das Material zahlreiche Entlehnungen aus den Nachbarsprachen und den überdachenden Sprachen. Bei der Befragung wurde besonderer Wert auf die Erfassung der Reliktwörter gelegt. Eingang in die Wortartikel finden außerdem auch die Antworten zu den fünfundzwanzig Übersetzungsfragen, die nach Art der Wenkersätze spezielle regionale Unterschiede ermitteln sollten (z. B. Am Dienstag haben wir den ganzen Tag Trauben gelesen) und die besonders die Anthropomorphisierung und den Metaphernreichtum der Winzersprache belegen, aber auch Einblick in syntaktische Verhältnisse geben.

8. Bedeutungen

Charakteristisch für Fachsprachen ist die Bedeutungsdifferenzierung. So existieren beispielsweise unterschiedliche Bezeichnungen für den Blütenstand der Rebe (das sog. Geschein) vor, während und nach der Blüte. Daher wird im WDW der Semantik der Vorrang vor der Phonetik eingeräumt und ein semantisches Netz entwickelt, das die alphabetisch angeordneten Wortartikel miteinander verknüpft. Aufgrund der benutzten relationalen Datenbanktechnik können zu einer gegebenen Semantik alle zugehörigen Lemmata aufgelistet werden (vergl. "Beispielseite"). Schon direkt bei der Dateneingabe wird dem durch Abhören ermittelten Fachbegriff die Semantik zugewiesen, die möglichst präzise - dem Kontext entsprechend - angegeben wird. Auch die Ausarbeitung der einzelnen Wortartikel richtet sich an der Semantik aus. Denn zu einer gegebenen Semantik werden die zugehörigen Lemmata exportiert und anschließend die Wortartikel zu den so ermittelten Synonymen bzw. regionalen Varianten parallel erarbeitet. Vielfach werden in den Wortartikeln die Belege nicht isoliert präsentiert, sondern zusammen mit ihrem syntaktischen Kontext aufgenommen.

9. Diasystematische Markierung

Die semantische Analyse schließt die Zuordnung zu anderen Fachsprachen (z. B. zur Küfer-, Korbmacher-, Steinhauersprache), die Markierung der umgangssprachlichen Einflüsse, Bemerkungen zu Entlehnungsvorgängen, aber auch Angaben zur Frequenz und zur Aktualität mit ein. Nach Möglichkeit wird bei den Fachbegriffen, deren Aussprache vom Ortsdialekt abweicht, auf den Einfluss der Umgangssprache aufmerksam gemacht, denn nicht selten sind vor allem bei Zusammensetzungen - bedingt durch die Aufnahmesituation - hybride Formen festzustellen, bei denen beispielsweise das Grundwort dem Dialekt entspricht, das Bestimmungswort aber an die Umgangssprache angelehnt ist.

10. Kontexte

Das WDW stützt sich fast ausschließlich auf das abgehörte Tonmaterial, schriftliche Belege werden nur in Ausnahmefällen herangezogen. Neben den Einzelwörtern werden - gleichfalls durch Abhören gewonnene - Syntagmen und ganze Sätze (z. B. Sprüche, Redensarten, Winzerregeln) aufgenommen, um die Bedeutung eines Fachbegriffs im Kontext zu illustrieren. Zur Belegung von Bedeutungsübertragungen und Entlehnungsvorgängen werden in Einzelfällen historische Belege, ebenfalls zusammen mit ihrem Kontext angeführt.

11. Enzyklopädische Informationen

Das WDW verfolgt die umfassende Darstellung eines bedeutsamen Ausschnitts aus der deutschen Fachsprache. Die Winzersprache, die in den deutschen Sprachgebieten eine lange Tradition und Kontinuität besitzt, ist hierfür besonders geeignet; zudem sind Wortforschung und Sachforschung hier besonders eng aufeinander bezogen. Die Erläuterung der Sachkunde wird vorwiegend auf die Zentralartikel verlagert, erfolgt aber auch im Kommentar im Artikelfuß, falls für den entsprechenden Bereich kein Zentralartikel vorliegt. Die Zentralartikel arbeiten die Sachkunde für einen bestimmten Sachbereich auf, verweisen auf Synonyme, Antonyme und den Wortatlas. Skizzen und Abbildungen erleichtern die Wort- und Zentralartikel von umständlichen Sachbeschreibungen. Das gesamte, durch Abhören der Tonaufnahmen ermittelte Wortgut wird umfassend in alphabetischer, aber durch die Semantikliste und die Zentralartikel auch in systematischer Anordnung dargestellt. So werden beispielsweise alle Teile der Rebe oder alle Einzelteile der Baumpresse mit den dazugehörigen dialektalen Fachbegriffen erfasst. Die sachlichen Informationen sind auch wesentlicher Teil der Semantik-Einträge.

12. Bibliographie der Quellen und der zitierten Literatur

Das Literaturverzeichnis des WDW gibt einen möglichst umfassenden Überblick über die bisher erschienenen veröffentlichten und unveröffentlichten Arbeiten zur Winzersprache, über die einschlägigen großlandschaftlichen Dialektwörterbücher und Sprachatlanten im Untersuchungsgebiet. Außerdem werden wichtige önologische Werke angeführt, die für die Sachkunde von Bedeutung sind. Es schreibt somit die Bibliographie des WKW fort.

13. Arbeitsweise

Die Ausarbeitung des WDW erfolgt nicht wie herkömmlicher Weise mittels Zettelkasten, sondern mit Hilfe neuer Medien: Sicherungsprogramm für analoge Tonträger, CD-ROM, relationale Datenbank und Exportprogramm. Materialbasis sind die Interviews auf den analogen Tonträgern, die mit Hilfe eines speziellen Programms, das die gesamte Aufnahme automatisch in kleinere Einheiten (sog. Tracks) zerlegt, auf CD-ROM gesichert werden. Auf diese Weise können einzelne Stellen gezielt angesteuert werden. Das Abhören der nach Dialektgebieten geordneten Tonträger und das Herauslösen des Spontanmaterials stehen in der Datenerfassungsphase im Mittelpunkt. Die in die Questionnaires notierten Antworten werden hierdurch überprüft und die genaue Bedeutung der Fachbegriffe aus dem Kontext heraus ermittelt. In die Datenbank ist zur Kontrolle der Belege der Ton eingebunden, so dass eine Art "sprechende Datenbank" vorliegt. Beim Abhören am Computer werden die relevanten Fachbegriffe in phonetischer Umschrift gemäß des Internationalen Phonetischen Alphabets (API) direkt in die relationale Datenbank eingegeben, lemmatisiert und mit weiteren Angaben wie Semantik, Grammatik usw. versehen. Mit Hilfe der Datenbank und eines speziellen Exportprogramms erfolgt die Redaktion der Wortartikel - auf der Grundlage einer Semantikliste - ebenfalls direkt am Computer. Von den beiden Redaktoren werden je eigene Sachbereiche eigenständig bearbeitet, dann gegengelesen und evtl. korrigiert oder ergänzt.

14. Einbindung in verwandte Lexikographie

In den Wortartikelfuß werden systematisch Verweise auf etymologische Wörterbücher, Dialektwörterbücher, auf Sprachatlanten, Weinbaumonographien und Aufsätze zur Winzersprache eingearbeitet. Die überregionale deutsche Weinbaufachsprache findet Eingang in die erarbeiteten Bedeutungsangaben. Außerdem werden für die nicht unerheblich vorhandenen Lehnwörter die Nachbar- und überdachenden Sprachen einbezogen.

15. Nutzer

Aufgrund des nach wissenschaftlichen Kriterien bearbeiteten, vielfältigen Materials, das historisch gewachsen ist und ein starkes dialektales Gepräge aufweist, wendet sich das WDW vor allem an Dialektologen, Lexikographen und Lexikologen, Sprachinsel- und Fachsprachenforscher, Germanisten, Romanisten, aber auch an Historiker, Volkskundler und alle interessierten Weinfreunde. Denn neben der detaillierten Behandlung der winzersprachlichen Fachbegriffe wird auch auf Brauchtum, Weinheilige und Winzer- und Wetterregeln eingegangen. Mit Blick auf einen internationalen Benutzerkreis wurde das Internationale Phonetische Alphabet als Trankriptionssystem gewählt, denn vielfältig sind die Verbindungen zu anderen europäischen Sprachen (z. B. Französisch, Italienisch, Rumänisch, Ungarisch usw.).

16. Stellenwert

Das WDW, das durch den Einsatz neuer Medien Experimentier- und Modellcharakter besitzt, ist das erste international orientierte Wörterbuch einer Fachsprache, das die mündlich tradierte, durch die fortschreitende Technisierung und Mechanisierung im Weinbau bedrängte ältere Fachterminologie konserviert und unter Einbeziehung der vielen deutschen Sprachinseln in Südost- und Westeuropa auch den Kulturaustausch des Deutschen mit den Nachbarsprachen dokumentiert. Durch die Tradierung von römischem und romanischem Kulturgut füllt es einen wichtigen Bereich innerhalb der Lehnwortforschung zwischen Germania und Romania aus.

17. Aktualität

In den Semantik-Einträgen der im WDW dokumentierten Winzerausdrücke finden die aktuellen önologischen Begriffe aus der Weinbaufachliteratur Eingang. Die in Deutschland, Österreich und in der Schweiz momentan übliche Winzerfachterminologie wird in den Zentralartikel einander gegenübergestellt. Aufgrund der Datenbanktechnik und des Konzepts der CD-ROM-Vorabversionen können bis zum Abschluss des Werkes Korrekturen, Ergänzungen sowie Anregungen der Fachwelt und der interessierten Laien jederzeit berücksichtigt werden. Die einzelnen CD-ROM-Vorabversionen schließen jeweils ein Update der vorangegangenen Version mit ein. Eine Integration in den im Entstehen begriffenen Wörterbuchverbund im Internet ist zunächst im Rahmen des Projekts nicht intendiert, ist aber grundsätzlich möglich. Das WDW gibt für die Belegorte in den deutschen Sprachinseln die momentan gültigen amtlichen Ortsnamenformen und Staatssiglen an. Es aktualisiert damit die Angaben im WKW. Für die ehemals deutschen Orte in den zahlreichen deutschen Sprachinseln werden nach Möglichkeit auch die alten deutschen Doppelformen angeführt. Somit gibt das WDW einen Eindruck von der Verbreitung der deutschen Sprache in den rezenten und ehemals deutschen Weinbaugebieten.

18. Entwicklung des Projekts

Das WDW-Projekt ist in der ehemaligen Arbeitsstelle des abgeschlossenen Pfälzischen Wörterbuchs untergebracht, einem Gebäude des Bezirksverbands Pfalz, in dem auch das Institut für Pfälzische Geschichte und Volkskunde seinen Sitz hat. Da die WDW-Arbeitsstelle außerdem das Pfälzische Wörterbuch-Archiv beherbergt, leisten die Mitarbeiter des Projekts auch eine begrenzte Servicefunktion bei der Öffentlichkeitsarbeit. Das Jahr 1998, in dem eine wissenschaftliche Mitarbeiterstelle vakant blieb, wurde als Vorlaufphase ausgewiesen und zur Schaffung der EDV-technischen Voraussetzungen genutzt, da das Material nicht mehr nach traditioneller Methode verzettelt, sondern elektronisch verwaltet wird. Zum 1.1.1999 wurde das WDW-Projekt in das Akademienprogramm aufgenommen und zum 1.3.1999 das Personal komplettiert: zwei wissenschaftliche Mitarbeiter (BAT IIa) und eine nichtwissenschaftliche Mitarbeiterin (BAT VIb, halbtags). An die Vorlaufphase schloss sich mit Aufbereitung des vorliegenden Materials eine technische und inhaltliche Vorbereitungsphase an: Duplizierung der Fragebögen, Sicherung der analogen Tonaufnahmen auf CD-ROM, Datenbankentwicklung und Dateneingabe, Entwicklung der Makro- und Mikrostruktur des Wörterbuchs. Diese Phase wurde durch krankheitsbedingte Ausfälle und Vakanz behindert. Abhören mit Dateneingabe und Vorbereitung der Daten für die Redaktion bestimmen momentan die Arbeit am WDW.

19. Technische Ausstattung

Das WDW wird netzwerkgestützt mit Hilfe moderner Medien erarbeitet. Zum einen steht ein Sicherungsprogramm zur Verfügung, das die analogen Tonaufnahmen in digitale, komprimierte Dateien (MP3-Dateien) überführt; diese werden sodann in der Arbeitsstelle auf einen CD-ROM-Rohling gebrannt. Zum zweiten wurde eine relationale SQL-Datenbank zur Verwaltung der umfangreichen, am Computer von der CD-ROM abgehörten Daten entwickelt. Die Stelle, an der sich der Beleg auf der CD-ROM befindet, wird dauerhaft in der Datenbank gespeichert und kann somit - beispielsweise zur Kontrolle der phonetischen Transkription oder der Sachzusammenhänge - schnell angesteuert und erneut, beliebig oft abgespielt werden. Mittels eines Zusatzprogramms, das die bereits erfassten Lemmata alphabetisch auflistet, werden die Verweise zu weiterführender Literatur wie WKW, Weinbaumonographien, dialektale und etymologische Wörterbücher etc. systematisch erfasst. Direkt am Computer erfolgt die Redaktion der Wort- und Zentralartikel mit Hilfe eines speziellen Exportprogramms, das die einzelnen Datenbankelemente - nach entsprechender Vorbereitung durch die Redaktoren - automatisch zu Wortartikeln zusammensetzt, die gewünschten Formatierungen durchführt und zudem die einzelnen Wortartikel in eine alphabetische Ordnung bringt. Dieses Programm, dessen Grundkonzeption bereits erarbeitet ist, befindet sich augenblicklich in der Programmierung.


(M. BESSE, 2002)