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Wörterbuch zur Lexikographie und Wörterbuchforschung
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Allgemeine und spezielle Charakteristik


1. Allgemeine Charakteristik des WLWF
Es handelt sich um ein alphabetisches terminologisches Fachwörterbuch mit Modellcharakter besonders bezüglich der Wörterbuchform aber auch hinsichtlich des Wörterbuchgegenstands und seiner polylingualen Präsentation. Die Redeweise vom Modellcharakter will besagen: Die Herausgeber sind der Auffassung, dass das WLWF Vorbild sein kann für terminologische Fachwörterbücher in Teildisziplinen der Sprachwissenschaft. Das WLWF ist auf der Ebene der Umtexte zweisprachig: Deutsch und Englisch. Auch innerhalb der Fachwörterbuchartikel auf der Ebene der fachlexikographischen Definition gilt diese Zweisprachigkeit: Auf das dt. Lemma und die dt. Definiensangabe folgen die engl. Äquivalentangabe und die engl. Definiensangabe als Übersetzung der deutschen. Auf der Ebene der Lemmata ist das WLWF elfsprachig; zur lemmaliefernden dt. Fachsprache kommen zehn Äquivalentsprachen, die von den nachfolgend genannten Forscherinnen und Forschern bearbeitet werden: Afrikaans: Rufus H. Gouws (Stellenbosch), Bulgarisch: Pavel Petkov (Sofia), Dänisch: Henning Bergenholtz (Aarhus), Englisch: Rufus H. Gouws, Französisch: Franz Josef Hausmann (Erlangen), Italienisch: Giovanni Rovere (Heidelberg), Portugiesisch: Stefan Schierholz (Göttingen), Russisch: Dmitrij Dobrovol'skij (Moskau), Spanisch: Sven Tarp (Aarhus),Ungarisch: Regina Hessky (Budapest).

Mit der polylingualen Präsentation der fachlexikographischen Daten möchten die acht Herausgeber des WLWF- unterstützt von den gerade genannten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern - einen fachlexikographischen Beitrag sowohl zur internationalen Wörterbuchforschung als auch zur jeweiligen nationalen Lexikographie und Wörterbuchforschung leisten.

Der fachlexikographische Prozeß ist wie folgt organisiert. Die Herausgeber des WLWF, und zwar Michael Beißwenger (Dortmund), Henning Bergenholtz (Aarhus), Rufus H. Gouws (Stellenbosch), Matthias Kammerer (Karlsruhe), Angelika Storrer (Dortmund), Sven Tarp (Aarhus), Herbert Ernst Wiegand (Heidelberg) und Werner Wolski (Paderborn) haben in der Planungsphase von 1999 - 2001 in mehreren Sitzungen, die teilweise vom Verlag Walter de Gruyter finanziert wurden, den Wörterbuchplan erarbeitet. Im Rahmen dieser Planungsarbeit entstanden - neben einem Instruktionsbuch (vgl. Kammerer/Wiegand 2001), einer (partiell fertiggestellten) Termsystematik und mehreren Probeartikeln - auch eine offene Lemmakandidatenliste von ca. 3.500 Lemmata (einschließlich der Verweislemmata). Jeder Herausgeber bearbeitet ein inhaltlich zusammengehöriges Kontingent von Lemmata. Die Wörterbuchartikel werden mittels einer Eingabemaske in die Rechner der Herausgeber eingegeben (vgl. hierzu Kammerer 2001[2002]) und dann ins Netz gestellt, so dass alle Beteiligten die fertiggestellten Artikel der anderen jederzeit einsehen können. Derzeit sind ca. 600 Wörterbuchartikel im Netz. Die Redaktion des WLWF ist in Heidelberg; dort werden auch die laufend eingehenden terminologischen Äquivalente verwaltet. Eine kurze Projektbeschreibung mit Beispielartikeln findet man unter: www.fabulex.de

2. Spezielle Charakteristik des WLWF
In der nachfolgenden Beschreibung werden nur die wichtigsten Charakteristika in informeller Weise angesprochen.

2.1. Zum Benutzerbezug des WLWF
Der Adressatenkreis des WLWF als die Menge aller Adressaten (sensu Wiegand 1998:564f) läßt sich in zwei Adressatengruppen aufteilen. Zur ersten primären Gruppe gehören vor allem:

  • Lexikographen
  • Wörterbuchforscher
  • Hersteller von lexikographischen Produkten.


  • Zur zweiten Adressatengruppe gehören vor allem:
  • alle, welche die Tätigkeiten der Mitglieder der ersten Gruppe in einer Ausbildung oder in einem Studium lernen
  • alle, die sich für Tätigkeiten der Mitglieder der ersten Gruppe und für die Produkte, die diese herstellen, interessieren.


  • Ein polylingualisiertes Fachwörterbuch wie das WLWF sollte polyfunktional sein. Die Wörterbuchfunktionen des WLWF (i.S.v. Wiegand 2001[2002]) sind wie folgt gewichtet:
    (i) Primäre Wörterbuchfunktionen sind:
  • die textrezeptionsunterstützende Wörterbuchfunktion (kurz: Rezeptionsfunktion)
  • die spezielle fachbezogene Informationsfunktion (kurz: Fachinformationsfunktion)
  • (ii) Sekundäre Wörterbuchfunktionen sind:
  • die translationsunterstützende Wörterbuchfunktion (kurz: Translationsfunktion)
  • die produktionsunterstützende Wörterbuchfunktion (kurz: Textproduktionsfunktion).


  • Jede der vier Wörterbuchfunktionen besteht gerade darin, dass eine bestimmte Menge von Typen von Benutzungssituationen für das WLWF abgedeckt wird. Beispielsweise werden durch das WLWF alle Wörterbuchbenutzungssituationen abgedeckt, die zu dem Situationstyp KONSULTATIONSSITUATION WEGEN FACHLEXIKONBEDINGTER VERSTEHENSSCHWIERIGKEITEN BEI DER LEKTÜRE DEUTSCHER METALEXIKOGRAPHISCHER FACHTEXTE gehören, und anhand eines Terminus entstehen, der im WLWF primär gebucht (= als Lemma angesetzt) ist. Darin besteht die textrezeptionsunterstützende Wörterbuchfunktion des WLWF.

    Das System der Wörterbuchfunktionen, das dem WLWF zugeordnet ist und damit seine spezifische Ausprägung des Benutzerbezugs, bestimmt die textuelle Gesamtstruktur (oder: Textverbundgesamtstruktur, vgl. Wiegand 2001:138), die Datendistribution, die Makrostruktur, die wörterbuchinterne Mediostruktur und die Artikelmikrostrukturen sowie nicht zuletzt die Wörterbuchbasis.

    2.2. Zur Wörterbuchbasis des WLWF
    Die Wörterbuchbasis des WLWF als die Menge aller seiner Quellen besteht aus folgenden Quellengruppen:
    (1) Primäre Quellen sind:

  • metalexikographische deutsche Texte vor allem des 20. Jahrhunderts, also: Monographien, Handbuchartikel, Aufsätze in Zeitschriften und Sammelbänden, Tagungsberichte und Rezensionen, einschließlich Wörterbuchrezensionen
  • Umtexte aus deutschen Wörterbüchern, und zwar besonders: Lexikographische Einleitungen und Benutzungshinweise
  • (2) Sekundäre Quellen sind:
  • Wörterbücher aller Typen in vielen der beteiligten Sprachen
  • Wörterbücher zur Lexikographie
  • Wörterbücher zur Linguistik in allen beteiligten Sprachen.
  • Das fachlexikographische Korpus besteht aus der Menge aller primären Quellen. Es wurde über den schrittweisen Aufbau einer offenen Lemmakandidatenliste zusammengestellt. Diese wurde - beginnend mit den Registern von Handbüchern (wie z.B. HSK 5.1-5.3 und Bergenholtz/Tarp (ed.) 1995), von Monographien und Sammelbänden - schrittweise erarbeitet. Dabei wurden die metalexikographischen Texte identifiziert, in denen die selektierten Termini gebraucht werden. Bei der jeweiligen Textidentifizierung wurden die Fachtexte auf weitere Termini durchgesehen. Über die Literaturangaben im gedruckten WLWF werden später die Ergebnisse des fachlexikographischen Prozesses mit dem Korpus verknüpft. Bei der Wörterbuchbasis handelt es sich um eine offene Wörterbuchbasis, um die Aktualität des Lemmabestandes zu gewährleisten.

    Die sekundären Quellen der Wörterbuchbasis haben vor allem folgende Funktionen:
  • Aus ihnen werden die Beispiele genommen für das, was die metalexikographischen Termini bezeichnen. Hierbei gilt das Belegprinzip.
  • Die linguistischen Fachwörterbücher werden als Hilfsmittel herangezogen bei der Formulierung von Wörterbuchartikeln zu ausgewählten linguistischen Termini, die in der Lexikographie und Wörterbuchforschung eine Rolle spielen.
  • Die vier lexikographischen Fachwörterbücher, die derzeit existieren (Burkhanov 1998, Hartmann/James 1998 [2. Aufl. 2001], Martinez de Sousa 1995, NLO), werden bei der Artikelformulierung überprüft. Das NLO hat für das WLWF eine partielle Vorbildfunktion.
  • Die Wörterbuchbasis des WLWF wird im Quellen- und Literaturverzeichnis im Nachspann des WLWF vollständig dokumentiert.

    2.3. Wichtige Komponenten des Textverbundes
    Wie jedes Wörterbuch, so stellt auch das WLWF einen Textverbund dar, in dem mehrere lexikographische Teiltexte, die zu unterschiedlichen Textsorten gehören, die Komponenten eines Ganzen bilden. Im folgenden werden die wichtigsten Komponenten in der Reihenfolge, in der sie im Wörterbuch erscheinen, genannt:

  • kurze Benutzeranleitung (in Deutsch auf dem vorderen Vorsatzblatt)
  • Titelei (in Deutsch und Englisch)
  • Inhaltsverzeichnis (in Deutsch als äußere Zugriffsstruktur zum Textverbund)
  • Inhaltsverzeichnis (in Englisch, dito)
  • Vorwort (in Deutsch)
  • Vorwort (in Englisch)
  • Ausführliche Benutzeranleitung (in Deutsch)
  • Ausführliche Benutzeranleitung (in Englisch)
  • Systematische Einleitung (in Deutsch)
  • Systematische Einleitung (in Englisch)
  • Lemmaverzeichnis (glattalphabetisch)
  • Quellen- und Literaturverzeichnis (Wörterbuchbasis)
  • Registeranhang (mit 10 Äquivalentregistern)
  • Kurze Benutzeranleitung (in Englisch auf dem hinteren Vorsatzblatt)
  • Im folgenden gehe ich kurz auf die Systematische Einleitung, das Lemmaverzeichnis (oder: Wörterverzeichnis) und den Registeranhang ein.

    Die Systematische Einleitung stellt eine komprimierte Einführung in die Wörterbuchforschung für Semiexperten dar. Ihre Gliederung ist wie folgt:

    1. Was ist unter Lexikographie und Wörterbuchforschung zu verstehen?
    § 1 Lexikographie als kulturellen Praxis
    § 2 Die Lexikographie und ihre Ausprägungsformen
    § 3 Die Lexikographie und andere Gegenstandsbereiche der Wörterbuchforschung
    § 4 Forschungsgebiete der Wörterbuchforschung
    2. Wie, wozu und für wen werden Wörterbücher gemacht?
    § 5 Allgemeine Eigenschaften von lexikographischen Prozessen bei gedruckten Sprachwörterbüchern
    § 6 Die Vorbereitungsphase lexikographischer Prozesse
    § 7 Die Phase der Datenbeschaffung
    § 8 Die Phase der Datenaufbereitung
    § 9 Die Phase der Datenauswertung
    § 10 Spezifische Eigenschaften computerunterstützter lexikographischer Prozesse
    § 11 Spezifische Eigenschaften computerlexikographischer Prozesse
    3. Wie sind Wörterbücher beschaffen?
    § 12 Konstitutive Eigenschaften, genuine Zwecke und Wörterbuchfunktionen
    § 13 Die Bauteile eines Wörterbuches außerhalb von Wörterbuchartikeln
    § 14 Die Bauteile von Wörterbuchartikeln
    § 15 Textuelle Strukturen in Wörterbüchern: Grundbegriffe und Darstellungsmöglichkeiten
    § 16 Datendistributionsstruktur
    § 17 Textverbundstruktur
    § 18 Mikrostrukturen
    § 19 Angabestrukturen
    § 20 Suchbereichsstrukturen
    § 21 Textarchitekturen
    § 22 Makrostrukturen
    § 23 Zugriffsstrukturen
    § 24 Mediostrukturen
    § 25 Spezifische Eigenschaften digitaler Wörterbücher: Konzeptionelle Datenstruktur und Präsentationsform
    4. Wie werden Wörterbücher eingeteilt?
    § 26 Prinzipien und Methoden der Wörterbucheinteilung
    § 27 Typologien nach dem Benutzerbezug
    § 28 Typologien nach dem Wörterbuchgegenstand
    § 29 Typologien nach der Wörterbuchform
    § 30 Typologien nach Eigenschaften des Speicher- und Publikationsmediums
    5. Wie werden Wörterbücher benutzt?
    § 31 Benutzungshandlungen und Voraussetzungen zu deren Erforschung
    § 32 Usuelle und nichtusuelle Benutzungssituationen
    § 33 Typen von Wörterbuchbenutzern
    § 34 Benutzungsgelegenheiten und Benutzungszusammenhänge
    6. Welche Stellung hat die Lexikographie in der Gesellschaft?
    § 35 Stellenwert von Wörterbüchern im kulturellen Kontext
    § 36 Problembereiche im Verhältnis von Lexikographie und Gesellschaft
    7. Register zur Systematischen Einleitung

    Die Systematische Einleitung hat mehrere Funktionen. Die wichtigsten sind folgende:

  • Sie kann zusammenhängend gelesen werden, so dass ein fachlicher Verständnisrahmen für die punktuelle Konsultation entsteht.
  • Sie kann über ein eigenes terminologisches Register fragenspezifisch konsultiert werden, so dass zusätzliche Termini auch im Zusammenhang mit punktueller Konsultation schnell auffindbar sind.
  • Da von den Wörterbuchartikeln auf die Paragraphen der Systematischen Einleitung verwiesen wird, kann sie im Zusammenhang mit der punktuellen Konsultation interessenspezifisch jeweils ausschnittsweise gelesen werden.
  • Da auch von den Paragraphen der Systematischen Einleitung auf Wörterbuchartikel verwiesen wird, kann die Lektüre der Systematischen Einleitung interessenspezifisch durch ergänzende Artikellektüre spezifiziert werden.

  • Bei dem Wörterverzeichnis des WLWF handelt es sich um ein artikelheterogenes Wörterverzeichnis (sensu Bergenholtz/Tarp/Wiegand/1999), das sowohl Synopseartikel als auch Einzelartikel sowie darüberhinaus erweiterte Verweisartikel aufweist. Als Lemmata treten Termini der theoriebezogenen Fachsprache der Wörterbuchforschung und Fachausdrücke der lexikographischen Werkstattsprache auf sowie Bezeichnungen für Institutionen und deren Abkürzungen. Die Lemmata sind glattalphabetisch geordnet. Mehrwortlemmata werden erstens in der natürlichen Reihenfolge angesetzt (z.B. lexikographisches Äquivalent, peripherieorientierte Verweisangabe) und als Verweislemmata in der nichtnatürlichen Reihenfolge (Äquivalent, lexikographisches; Verweisangabe, peripherieorientierte). Durch diese Lemmaansatzmethode entstehen nutzerfreundliche funktionale Verweisartikelteilstrecken, wie z.B. die beiden folgenden, die zu den kürzeren gehören:

    Link, autorengenerierter ‹m; -s›
     autorengenerierter Link
    Link, dynamischer ‹m; -s›
     dynamischer Link
    Link, lexikalischer ‹m; -s›
     lexikalischer Link
    Link, navigatorischer ‹m; -s›
     navigatorischer Link
    Link, nutzergenerierter ‹m; -s›
     nutzergenerierter Link
    Link, systemgenerierter ‹m; -s›
     systemgenerierter Link
    Link, thematischer ‹m; -s›
     thematischer Link
    Link, toter ‹m; -s›
     toter Link
    Link, typisierter ‹m; -s›
     typisierter Link
    Link, unspezifizierter ‹m; -s›
     unspezifizierter Link
    Link, verweisbezogener ‹m; -s›
     verweisbezogener Link
    Benutzungssituation, konfliktbedingte ‹f; -en›
     konfliktbedingte Benutzungssituation
    Benutzungssituation, lexikographische ‹f; -en›
     lexikographische Benutzungssituation
    Benutzungssituation, metalexikographische ‹f; -en›
     metalexikographische Benutzungssituation
    Benutzungssituation, nichtkonfliktbedingte ‹f; -en›
     nichtkonfliktbedingte Benutzungssituation
    Benutzungssituation, verkettete ‹f; -en›
     verkettete Benutzungssituation
    Benutzungssituation, verzweigte ‹f; -en›
     verzweigte Benutzungssituation
    Benutzungssituation, zerdehnte ‹f; -en›
     zerdehnte Benutzungssituation

    Verweisartikelteilstrecken wie die beiden vorstehenden sind deswegen funktional, weil sie dem Benutzer einen Eindruck vermitteln, wieviel Linktypen bzw. wieviel Typen von Benutzungssituationen, die mit Mehrworttermini bezeichnet werden, im WLWF berücksichtigt wurden.

    Der Umfang des in zwei Spalten gedruckten Wörterverzeichnisses beträgt voraussichtlich ca. 3500 Artikel einschließlich Verweisartikel. Das WLWF wird ein Zweibänder.

    Der Registeranhang besteht aus 10 Äquivalentregistern, z.B.: Englisch-Deutsch oder Russisch-Deutsch. Die Registerangaben sind immer erwähnte deutsche Lemmata (z.B. lexikographisches Beispiel), und die Registereingänge bilden die in den jeweils zugehörigen Wörterbuchartikeln genannten terminologischen Äquivalente zum deutschen Lemma (z.B. lexicographic example), so dass ein Registereintrag z.B. folgende Form aufweist:

    lexicographic example lexikographisches Beispiel

    Die Register unterstützen die Übersetzung von in den Äquivalentsprachen geschriebenen Fachtexten ins Deutsche sowie die Rezeption solcher Texte.

    2.4. Zu den Wörterbuchartikeln des WLWF
    Das WLWF weist Einzelartikel, Synopseartikel und erweiterte Verweisartikel auf. Mit Einzelartikeln wird die größte Parzellierung des Wissens vorgenommen; sie enthalten vor allem Daten zum Lemmazeichen bzw. denjenigen Phänomenen, die mit dem Lemmazeichen usuell bezeichnet werden. Daten zu anderen Phänomenen, die in Einzelartikeln zu finden sind, dienen ausschließlich der Erklärung des Lemmazeichens. In Synopseartikeln ist die Parzellierung des Fachwissens geringer, so dass auch fachliches Wissen präsentiert wird, das mit anderen Lemmazeichen usuell bezeichnet wird. Sowohl die Einzel- als auch die Synopseartikel des WLWF weisen Mikrostrukturen auf, die zum Typ der kondistributiven, vertikalarchitektonisch ausgebauten Mikrostrukturen mit rechtserweiterter Basisstruktur gehören. Die Mikrostrukturen dieses Typs können in den einzelnen Artikeln entweder in nichtreduzierter Form oder in mehr oder weniger stark reduzierter Form auftreten. Die stärkste Reduzierung liegt vor, wenn in einem Wörterbuchartikel des WLWF keine der fakultativen Angabeklassen berücksichtigt wurde, so dass keine fakultative Angabe zur Trägermenge der konkreten und keine fakultative Angabeklasse zur Trägermenge der abstrakten Mikrostruktur gehört.
    Kondistributive Mikrostrukturen treten vor allem in der Fachlexikographie auf. Wie bei allen Mikrostrukturen liefert das Benennungsmotiv für ihren Strukturnamen eine besonders charakteristische Eigenschaft derjenigen unmittelbaren Textkonstituente, die unmittelbar auf den Formkommentar folgt. Bei den Artikeln des WLWF ist dies der Kommentar zur Semantik und zum Fachgegenstand, der durch einen rechten Zwischenkommentar zur Literatur (rZwK-Lit) aufgespalten ist, so dass zwei unmittelbare Textkonstitutionen des Artikeltextes gegeben sind: der vordere semantische Kommentar (vSK), der zugleich ("|") der vordere Kommentar zum Fachgegenstand (vK-FG) ist (vSK|vK-FG), und der hintere semantische Kommentar (hSK), der zugleich der hintere Kommentar zum Fachgegenstand (hK-FG) ist (hSK|hK-FG). Sowohl im vSK|vK-FG als auch im hSK|hK-FG sind die semantischen und die enzyklopädischen Daten gemäß den Intentionen der Herausgeber untrennbar miteinander verbunden und sind mithin artikelintern zusammen distribuiert. Daher tritt das Prädikat kondistributiv im Mikrostrukturnamen auf.

    Das allgemeine Mikrostruktur- und Mikroarchitekturbild für alle WLWF-Artikel (die keine Verweisartikel sind) findet man in Abb. 1.

    Auf eine formale und detaillierte Darstellung der Mikrostrukturen wird im folgenden verzichtet (vgl. dazu Kammerer 2001[2002] auf der Basis von Kammerer/Wiegand 2001 und Wiegand 2002c). Stattdessen werden zunächst anhand eines Einzelartikels mittlerer Größe, der in Abb. 2 zu finden ist, die textuellen Artikelpositionen informell erläutert.
    Nach der in Wiegand 2002a entwickelten Typologie von Wörterbuchartikeln (vgl. auch Wiegand 2002:507) gehören die Einzelartikel des WLWF (und auch die Synopseartikel), die nicht so reduziert sind, dass die Position für weitergehende Erklärungen leer ist, zu den partiell kondensierten Wörterbuchartikeln. Dies bedeutet, dass sie mindestens einen Angabetext enthalten, was für die weitaus größte Zahl der WLWF-Artikel gilt, die keine Verweisartikel sind. In den einzelnen textuellen Artikelpositionen treten entweder Angabetexte oder Angaben auf, wobei Angabetexte natürlichsprachliche Textstücke mit vollständiger Syntax sind, die aus mindestens einem Satz bestehen. Die Position für weitergehende Erklärungen ist eine textuelle Position für deutsche Angabetexte. Sie gehört zum vorderen semantischen Kommentar, der zugleich der vordere Kommentar zum Fachgegenstand ist (vSK|vK-FG). Alle anderen in (Abb. 2) gekennzeichneten Positionen sind textuelle Positionen für Angaben. Partiell kondensierte Wörterbuchartikel weisen stets partielle Adressierung auf, da Angabetexte nichtadressierte Textkonstituenten eines Wörterbuchartikels sind.

    Im folgenden werfen wir anhand von wa1 in Abb. 2 einen flüchtigen Blick auf die einzelnen textuellen Positionen.

    Zur Lemma- und Morphologieposition:
    Die verdichtete Genus- und die verdichtete Pluralbildungsangabe sind als Produktionsangaben konzipiert, und zwar mit Rücksicht auf den Benutzer, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. Weitere Beispiele für eine Lemma- und Morphologieposition sind:

    peripherer Wörterbuchgegenstand ‹m; -stände›
    gruppiertes Nischenlemma ‹n; -ta›

    Zur Definiensposition:
    Im Unterschied zu allgemeinsprachlichen Wörterbüchern können in Fachwörterbüchern Definitionen angegeben werden. Die dt. Definiensangabe ist an die Lemmazeichengestaltangabe, die im WLWF (außer in Verweisartikeln) immer zugleich die Definiendumangabe ist, linksadressiert. Auf die dt. Definiensangabe folgt die nichtelementare engl. Definitionsangabe, die aus der engl. Äquivalentangabe besteht, die zugleich Definiendumangabe ist, auf die die adjazent linksadressierte engl. Definiensangabe unmittelbar folgt. Wie die Lemma- und Morphologieposition, so ist auch die Definitionsposition obligatorisch und darf nicht reduziert werden.

    Zur Position für weitergehende Erklärungen:
    Die Position für weitergehende Erklärung ist eine Position für deutsche Angabetexte. Sie ist fakultativ und kann so reduziert sein, dass der zweite Angabetext, nämlich der zum alternativen Fachgegenstand, fehlt wie in wa1 in Abb. 2. Die erste Subposition mit dem Angabetext zum Fachgegenstand wird mit einer Identifizierungsangabe, realisiert durch einen fetten Mittenpunkt, eingeleitet. Sie darf Beispiele aus Wörterbüchern enthalten, die über Wörterbuchmarken (in wa1 HWDG) identifizierbar sind, die auf das Literaturverzeichnis im Nachspann des WLWF verweisen. Zitate aus primären Quellen und Nennungen von solchen sind in dieser Subposition nicht erlaubt.- Die zweite Subposition mit dem Angabetext zum alternativen Fachgegenstand wird ebenfalls mit einer Identifizierungsangabe, einem Sternchen, eingeleitet. Hier wird auf andere Terminusverwendungen und damit verbundene andere Fachgegenstandskonstitution hingewiesen, unter Nennung der einschlägigen Literatur, die nicht in der Literaturposition des Wörterbuchartikels, sondern nur im Literaturverzeichnis im Nachspann aufgeführt ist. In Abb. 3 findet sich ein Auszug aus einem WLWF-Artikel, in dem ein Angabetext zum alternativen Fachgegenstand formuliert ist.


    Verweis ‹m; -e›
    anhand einer verweisinitiierenden Angabe erschlossene lexikographische Information dazu, dass dass eine Verweisbefolgungshandlung ausgeführt werden kann. [ENGLISCHE DEFINITIONSANGABE]  Ein Verweis ist eine kognitive Entität, und zwar ein Wissen des Benutzersinactu, dass die Voraussetzung für die Ausführung einer Verweisbefolgungshandlung darstellt. Die wichtigten Verweisarten können wie folgt unterschieden werden: nach dem textuellen Ort der Verweisposition: Abbildungsverweis, Artikelverweis, Binnentextverweis, Einschubverweis, Registerverweis, nicht zwischen verweisinitiierenden Angaben in den Angaben in den lexikographischen Teiltexten und Verweisen als kognitiven Entitäten unterschieden, so dass die Verweise selbst im Text stehen. = Querverweis § 24; lexikographische Information, Verweis befolgungshandlung, verweisinitiierende Angabe,
    Umtextverweis u.a.;
    nach der wörterbuchgegenstandsbedingten Verweisvoraussetzung: Antonymenverweis, etymologischer Verweis, Synonymenverweis u.a.; nach der Notwendigkeit der Verweisbefolgung: - obligatorischer und fakultativer Verweis; nach dem Vorhandensein einer Verweisadresse: adressierter und nicht adressierter Verweis nach Arten von Verweisadressen: artikeladkurrenter, artikelinkurrenter und artikelinterner Verweis und nach der Verweisungsintention des Lexikographen: produzierter und reproduzierter Verweis.  In Wiegand 1988a und in Schaeder 1995 wird Verweisposition, wörterbuchgegenstandsbedingte Verweisvoraussetzung & Kammerer/Lehr 1996:314f; Wiegand 1996: 24-40 [HEW] [ÄQUIVALENTPOSITION]

    Abb. 3: Auszug aus einem Synposeartikel wa² des WLWF (ohne Blocksatz)

    Da die Angabetexte in der Position für weitergehende Erklärungen nur in Deutsch formuliert sind, sind die Benutzer mit Deutsch als Muttersprache und die mit ausreichenden Deutschkenntnissen privilegiert.

    Zur Position für einen Ausschnitt aus dem terminologischen Netz: In dieser Position stehen nach der Synonymenidentifizierungsangabe "=" n Synonymenangaben (mit n = 1) sowie danach nach der Antonymenidentifizierungsangabe "?" m Antonymenangaben (mit m = 1). Die Position ist fakultativ und kann um eine der beiden Subpositionen reduziert sein. So fehlt in wa1 die Antonymenposition. In dieser Position angegebene Synonyme werden als Verweislemmata angesetzt, so dass erweiterte Verweisartikel der folgenden Form auftreten:

    Anwendungsbeispiel ‹n; -e›
    lexikographisches Beispiel

    Zur Verweisposition:
    Die Verweisposition ist obligatorisch und beginnt mit der Verweisbeziehungsangabe "?", die zugleich als Identifizierungsangabe fungiert. Mit der ersten Verweisadressenangabe wird der § 25 aus der Systematischen Einleitung genannt. Eine Verweisung auf einen Paragraphentext erfolgt immer dann, wenn das anhand des Wörterbuchartikels erschließbare Wissen durch die Lektüre des Paragraphen eine systematische Einordnung erfahren kann. Mit den weiteren alphabetisch geordneten Verweisadressenangaben werden Verweisaußenadressen genannt, unter denen lexikographische Daten zu finden sind, anhand derer das Wissen vertieft und erweitert werden kann.

    Zur Literaturposition:
    In der Literaturposition werden die Literaturangaben nach den Verfassernamen alphabetisch geordnet. Sie schließt mit der Angabe der Autorennamensigle ab (in wa1 und wa2 HEW für Herbert Ernst Wiegand). Diese Angabeposition für die Angabe der Autorennamensigle direkt vor der Äquivalentposition wurde gewählt, weil der Autor des Wörterbuchartikels nicht für die nachfolgend genannten Äquivalente verantwortlich ist.

    Zur Äquivalentposition:
    Die Äquivalentposition besteht aus zehn Angaben zur Äquivalenz. Diese bestehen aus verdichteten Sprachenidentifizierungsangaben, auf die mindestens eine Äquivalentangabe oder eine Nulläquivalentangabe folgt. Als Äquivalente sind nur Wörter und in Satzkonstruktionen einsetzbare Syntagmen zugelassen.

    2.5. Zur Mediostruktur des WLWF
    Mit der wörterbuchinternen Mediostruktur des WLWF wird sichergestellt, dass enger zusammengehörige Termini, die an verschiedenen Stellen lexikographisch bearbeitet sind, über die verweisvermittelnden Angaben vom Benutzer-in-actu vernetzt werden können. Zwischen der Systematischen Einleitung und den Wörterbuchartikeln gibt es eine bidirektionale Verweisung: Von den Paragraphen der Systematischen Einleitung wird auf zugehörige Artikel, vor allem auf Synopseartikel verwiesen und umgekehrt von den Artikeln auf die Paragraphen. Da alle Wörterbuchartikel des WLWF eine Verweisposition aufweisen, sind sie alle verweisvermittelnde Wörterbuchartikel mit entweder einfacher, zweifacher oder dreifacher Verweisorientierung (vgl. Wiegand 2002b). Die Verweisorientierung besagt, wo die Verweisadresse zu suchen ist. Der WLWF-Artikel wa1 in Abb. 2 ist erstens umtextorientiert: Die in der Verweisposition genannte Verweisadresse "§ 25" liegt in einem Umtext, nämlich in der äußeren alphanumerischen Zugriffsstruktur der Systematischen Einleitung. Der Einzelartikel wa1 ist zweitens äquigenerisch orientiert, d.h. es wird mindestens eine Verweisadresse genannt, die in einem gleichartigen Artikel, also einem anderen Einzelartikel liegt. Viele Einzelartikel im WLWF sind auch synopseorientierte Einzelartikel, so dass als Verweisadresse das Lemma eines Synopseartikels genannt wird. Einzelartikel, von denen auf den gleichen Synopseartikel verwiesen wird, bilden die Verweisungsperipherie in einem synopseorientierten Artikelnetz, das nur in artikelheterogenen Wörterverzeichnissen auftreten kann. Solche Artikelnetze sind im WLWF recht zahlreich und z.T. auch relativ umfangreich. Beispielsweise wird von allen Artikeln, mit deren Lemmazeichen ein Angabetyp bezeichnet wird (wie z.B. Angabe der Erstbuchung, Angabe des Verbreitungsgebietes, Angabe mit Kohäsionsanweisung, Angabe zum Sprachkontakt, Antonymenangabe, homosegmentäre Angabe, heterokondensierte Angabe) auf den Synopseartikel zu Angabe verwiesen.

    3. Schlußbemerkung
    Der lexikographische Prozeß des WLWF ist so organisiert, dass nach Abschluß der Arbeiten für die Printversion alle Daten in elektronischer Form verfügbar sind, so dass eventuell das Wörterbuch auch in einer elektronischen Version publiziert werden kann.